Alex Deutsch – Ich habe Auschwitz überlebt

Herzlich willkommen zum e-learning-Modul "Alex Deutsch - Ich habe Auschwitz überlebt".

In diesem Modul kannst du dich mit dem gleichnamigen Film beschäftigen, in dem die Lebensgeschichte des 2011 verstorbenen jüdischen Auschwitz-Überlebenden Alex Deutsch erzählt wird. Alex Deutsch, der über 30 Jahre lang vor allem in Schulklassen über seine Erlebnisse in Auschwitz berichtete, spricht in dem Film selbst und erzählt von seinen Erlebnissen.
In dem Modul beschäftigst du dich mit der Judenverfolgung im „Dritten Reich“ und dem heutigen Antisemitismus.
Falls du die Arbeit an dem Modul zwischendurch unterbrechen möchtest, sind Pausen nach Nr. 3, 4 und 5 sinnvoll.

 

1. Sieh dir erst den Film an.

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Einiges, was in dem Film gesagt wird, ist sehr extrem und kann Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut oder Traurigkeit auslösen.

2. Was hat der Film bei dir bewirkt?

Wie geht es dir gerade?
Was geht dir gerade durch den Kopf?
Welche Bilder oder Situationen oder Äußerungen aus dem Film sind dir in Erinnerung geblieben? Warum sind dir gerade diese in Erinnerung geblieben?
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3. Wurden in dem Film Dinge genannt, die dir unklar geblieben sind? Falls ja, welche sind das?
Falls du die vorherige Frage mit „ja“ beantwortet hast, recherchiere im Internet nach den Dingen, die du genannt hast. Hier sind einige Links, die dir dabei helfen können:

Auschwitz (Englisch)
Yadvashem-Portal
Planet Wissen
Bundeszentrale für Politische Bildung
Stolpersteine
Was ist dir aus deinen Recherchen besonders in Erinnerung geblieben?
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4. Was hast du dir aus dem Film gemerkt? Falls du die folgenden Fragen nicht beantworten kannst, sieh dir noch einmal die entsprechenden Stellen an.

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Was meint Alex Deutsch, als er sagt, ab 1933 „… hat man nur noch das Braune gesehen …“? (3.49-3.53 min)
Wie beschreibt Alex Deutsch den Transport nach Auschwitz-Birkenau? (6.03-6.46 min, 6.50-7.15 min)
Was erzählt Alex Deutsch über seine Zeit in Auschwitz? (7.26-8.05 min, 9.02-10.12 min, 10.26-11.26 min, 11.42-13.44 min, 13.55-14.43 min)
„Ich war kein Mensch mehr. Ich musste erst wieder Mensch werden nach meiner Befreiung.“ Was meint Alex Deutsch deiner Meinung nach damit? (14.54-15.33 min)
Das Bild des Flusses wird gern für das menschliche Leben genutzt. Ein Fluss hat viele Eigenschaften, die man gut auf das Leben übertragen kann, er hat z.B. eine Quelle (Geburtsdatum), er kann schmal und breit fließen, gestaut werden und Zuflüsse haben, umgeleitet werden, Steine und Inseln können aufragen, er kann ruhig fließen und Stromschnellen können seinen Lauf beschleunigen usw. Erstelle hier eine Kurzbiografie von Alex Deutsch und übertrage sie in ein Flussbild (auf DIN A3).
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5. Jetzt kannst du kreativ werden. Bearbeite eine oder mehrere der folgenden Aufgaben. Wenn du möchtest, kannst du uns gerne deine Ergebnisse schicken (entweder per Mail an fsj@adolf-bender.de oder auf Instagram als DM an adolfbenderzentrum) und wir veröffentlichen sie mit deiner Zustimmung auf unseren Social-media-Kanälen (Instagram, facebook).

Die Schülerin Claudia Bartela schrieb Alex Deutsch nach seinem Besuch in ihrer Schule einen Brief mit ihren Eindrücken und Erkenntnissen aus diesem Gespräch (24.49-24.58 min). Schreibe auch einen Brief an Alex Deutsch.
Was hat dich an dem Film über Alex Deutsch besonders angesprochen oder interessiert? Was war für dich beeindruckend oder abschreckend? Was ist dir in Erinnerung geblieben? Überlege dir hierfür eine Sache. Dieses Objekt soll deinen Bezug zum Thema verdeutlichen. Beschreibe dieses Objekt, fotografiere oder zeichne es und erkläre, warum du es ausgesucht hast.
Zum Schluss des Films sagt Alex Deutsch: „Lasst euch nicht hineintreiben in Hass und Gewalt gegen andere Menschen. Lernt miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“ (7.45-8.00 min) Was kannst du tun, um dazu (in der Familie, im Freundeskreis, in der Schule, im Verein …) beizutragen? Werde alleine oder zusammen mit Freunden kreativ. Überlege dir/ überlegt euch eine Aktion/ Aktionen, setzt sie um und dokumentiert sie.
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6. Wie sieht es eigentlich heute mit dem Antisemitismus aus?
Eines der zentralen Elemente des Nationalsozialismus war der Antisemitismus. Antisemitismus bezeichnet die Feindschaft gegenüber Juden. Diese wird durch Einstellungen oder Verhaltensweisen wie Ausgrenzung, Abwertung, Diskriminierung, Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung bis hin zur Vernichtung sichtbar. Antisemitismus gibt es schon seit der Antike und ist auch heute nicht verschwunden.
Im Folgenden findest du Teile aus einem Vortrag, den Abraham Schijveschuurder im Dezember 2019 an der Gemeinschaftsschule in Schmelz gehalten hat. Herr Schijveschuurder wurde 1950 in Holland geboren und lebt heute in der Schweiz. Seine Mutter Klemma Sara stammt ursprünglich aus Schmelz. Da sie als Jüdin im Nationalsozialismus verfolgt wurde, floh sie 1939 nach Holland, wo sie das „Dritte Reich“ überlebte. Ihre Eltern, Herrn Schijveschuurders Großeltern, wurden deportiert und ermordet.
Abraham Schijveschuurder berichtet in seinem Vortrag auch von antisemitischen Vorfällen, die er in seinem Leben erfahren musste:

Ich will dieses Treffen dazu nutzen, um über Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Hass mit euch zu sprechen. (…)
2004 waren meine Frau und ich geschäftlich in Berlin unterwegs. Ich ging, wie für mich üblich – in der Schweiz – mit meiner Kippa auf dem Kopf. Aber da sagten mir doch unsere Gastgeber, dass ich das in Deutschland nicht tun kann! Ich war baff, sehe aber tatsächlich, dass dies zu Problemen und Konflikten führt.
Ich möchte mal festhalten: Es gibt kein Land auf der Welt, wo das Töten von Menschen erlaubt ist. Es steht zwar in der Bibel: «Du darfst nicht töten», aber das scheint nicht jeden zu interessieren. Woher stammt dieser Hass auf religiöse Menschen, sie zu töten, und woher kommt diese Judenfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit? Und eine wichtigere Frage: Was können wir daran tun, diesen Hass zu unterbinden?
Am 9. November 2018 – 80 Jahren nach der Reichspogromnacht – sagte Frau Bundeskanzlerin Merkel in einer Rede u.a.:

«Wenn wir heute – 80 Jahre nach den Novemberpogromen und fast 70 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland – die Lage betrachten, dann bietet sich uns ein zwiespältiges Bild. Es gibt in Deutschland wieder blühendes jüdisches Leben – ein unerwartetes Geschenk nach dem Zivilisationsbruch der 2. Weltkrieg. Doch zugleich erleben wir einen besorgniserregenden Antisemitismus, der jüdisches Leben in unserem Land bedroht. Dieser Antisemitismus entlädt sich zunehmend offen in einer teils ungehemmten Hetze im Internet wie auch ganz allgemein im öffentlichen Raum.
Leider haben wir uns beinahe schon daran gewöhnt, dass jede jüdische Einrichtung von der Polizei bewacht oder besonders geschützt werden muss – Synagoge, Schule, Kindergarten, Restaurant, Friedhof.»

Es kann doch nicht so sein, dass jüdischen Kinder den Kindergarten nur durch Schleusen betreten können? Was können wir dazu beitragen, dass dieser Terror aufhört?
Darf ich euch mal fragen: Habt ihr euch das schonmal überlegt, wie ein jüdisches Kind in den Kindergarten geht? Wie ein jüdisches Kind in eurem Alter lebt?
(…) Antisemitismus ist nicht wiedergekehrt, er war nie weg! Er ist sogar wieder fast salonfähig geworden.
Ich erzähle euch mal eine kurze Geschichte, die mir persönlich widerfahren ist. Vor vielen Jahren hatten wir ein kleines Familienfest und ich hatte dazu einen Saal gemietet. Distanz vom Saal zu meiner Wohnung, etwa 300 Meter. Wir waren alle schon im Saal, als ich realisierte, dass ich zu Hause etwas vergessen hatte. Ich ging also schnell nach Hause. Dort angekommen sah ich, wie vor meinen Augen ein älterer Herr vor dem Haus zusammenbrach. Ich half ihm auf die Beine und setzte ihn auf eine Mauer. Ich fragte ihn, ob ich etwas Wasser bringen soll. Das tat ich dann und nachdem er getrunken hatte, sah ich, wie es ihm wieder besser ging. Ich entschied mich – trotz wartender Gäste – noch kurz bei ihm zu bleiben. Wie immer in Zürich hatte ich mein Käppchen an und da schaut mich der Herr an und sagt: «Sie, ich wusste nicht, dass Juden so freundlich sein können.» Das hat mir dann die Sprache verschlagen.
Mit dieser wahren Geschichte möchte ich eigentlich sagen, dass dieser Herr falsch erzogen wurde, er hat eine verkehrte Einstellung, gelernt zu glauben, dass Juden Monster sind und Hörner haben. Er war voreingenommen, war überzeugt, dass Juden schlechte Menschen sind und nun plötzlich realisierte er, was er Falsches gelernt hatte und so änderte sich seine Weltanschauung zum Positiven.
Sollen wir nicht immer alle gut über andere Menschen denken, Jude oder was auch sonst?
(…) Ich glaube (…), dass Veranstaltungen, welche wir jetzt haben, mit eurer Generation – der nächsten Generation – wichtig sind. Ihr seid zwischen 14 und 18 Jahre alt, das ist das Alter zur Vorbereitung auf das Erwachsenwerden. Ihr seid momentan zwischen Kind und Erwachsenem. Das ist nicht immer einfach. Manchmal wird man noch als Kind behandelt und manchmal erwartet man von euch eine erwachsene Haltung. Das heißt auch, dass man anfängt, Meinungen zu haben. Das kann z.B. in der Mode sein – heute ist es modern, kaputte Hosen zu tragen, damit bist du ‘in’ – da muss man mitmachen! Anderseits stört das viele und die sagen: Schade um die Hosen. Damit ist die Sache dann erledigt.
Aber, es gibt Situationen, wo man erst nachdenken muss oder gar soll, bevor man sich einer Gruppe anschliesst und mitmacht. Also bitte immer: erst Gehirn einschalten!
Noch ein Vorfall, der mir tatsächlich vor vielen Jahren passierte. Wir wohnten mit unseren jungen Kindern (damals 4-10 Jahre alt) in einem Mehrfamilienhaus im 4. Stock. Im 2. Stock wohnte auch eine junge Familie mit einem Kind – 8 Jahre alt. Mein 10-jähriger Sohn war mit seinem Fahrrad auf dem Parkplatz vor dem Haus am Spielen. Er kam herauf und erzählte, der Jungen vom 2. Stock ruft ständig: «Heil Hitler.»
Darauf bin ich zu den Nachbarn in den 2. Stock gegangen, klingelte an der Tür. Der Junge öffnete und ich fragte ihn nach seinen Eltern. Als diese kamen, erzählte ich, was passiert war und fügte hinzu: «Wie kann ein 8-Jähriger das überhaupt denken? Von wem hat er das? Irgendjemand muss ihm das vorgesagt haben.»

Am 4. November 2019 war folgender Artikel bei ‘Spiegel Online’ zu lesen, ich zitiere:
«Eine Schule aus dem hessischen Grünberg hat drei Schüler angezeigt. Auf der Rückfahrt von einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald sollen sie im Reisebus antisemitische Lieder abgespielt und den Text mitgesungen haben.
Es werde wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen die 14-Jährigen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Gießen am Montag.» (…)
Als ich das gelesen habe, dachte ich: Bringt es was, wenn ich nach Schmelz gehe?
Darüber habe ich lange nachgedacht. Meine Antwort ist: ja, es ist richtig und wichtig. Nur auf diese Art und Weise kann ich euch deutlich erklären, dass Antisemitismus kein Phänomen der Geschichte ist. Es sind immer wieder einzelne Personen, welche aus Langeweile randalieren und Unruhe stiften wollen.
Warum tun Menschen das? Müssen Juden wirklich in Angst leben? Woher kommt das? Haben wir nichts aus der Geschichte der Menschheit gelernt? Warum mussten das meine Vorfahren ertragen? Wollen wir nicht alle einfach leben? In Frieden? Was treibt Menschen – auch heute noch – zu solchen Taten? Wäre es nicht schöner, wenn es anders wäre?
Ich wünsche mir, dass sich diese Fragen künftig mehr Menschen bewusster stellen.
Von welchen antisemitischen Erfahrungen in seinem Leben berichtet Abraham Schijveschuurder?
„Antisemitismus ist nicht wiedergekehrt, er war nie weg! Er ist sogar fast wieder salonfähig geworden.“ Was meint Abraham Schijveschuurder deiner Meinung nach damit?
Abraham Schijveschuurder stellt in seinem Vortrag einige Fragen (rot hervorgehoben). Wie würdest du diese Fragen beantworten?
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Vielen Dank für deine Teilnahme an dem e-learning-Modul "Alex Deutsch - Ich habe Auschwitz überlebt".